Vielleicht, dass uns etwas erreicht ...

Kleines Gedicht, Aphorismus, geschrieben von Monika Minder, 2012

Vielleicht,
dass uns etwas erreicht
ohne grosse Worte
nicht irgendwann.

(© Monika Minder, 2012)

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Entstehung des Textes


Skizze Gesicht halbseitig und Text

(© Bild Monika Minder, Skizze mit Text; Filzer, 2012)

Gedanken zum Spruch

Vielleicht - dass uns etwas erreicht - ohne grosse Worte - nicht irgendwann

Eine stille Hoffnung in einer laut gewordenen Welt. In einer Welt, in der viele Menschen so dermassen viel haben. Keller werden längst nicht mehr für Eingemachtes genutzt, sondern für gekaufte Waren. Reicht der Keller nicht, wird die Garage mit Plunder gefüllt. Hunde werden längst nicht mehr zur Sicherheit angeschafft, oder Langeweile zur Schöpfung von Ideen genutzt.

Und ehrlich, worüber können Sie sich noch empören?

Über ein kaputtes Smartphone, den zu langsamen Pc, einen abgebrochenen Fingernagel oder über den Ausbruch eines Krieges, irgendwo, weit weg von uns?

Was lässt uns mehr aufhorchen, wenn neue erfolgreiche Krebstherapien auf den Markt kommen oder eine Creme, die sofort spürbar jünger aussehen lässt?

Der Fokus dreht sich um viel Schein. Sogar das Zücken des Smartphones verleiht manchen einen Selbstwertschub.

Der Mensch hat viel zu tun mit all dem Kram, mit dem er sich umgibt, und welchen er mit sich herum schleppt, wie seine Vergangenheit, die er nie so richtig verdaut hat. Jetzt muss er auch noch Schritte zählen, Blutdruck messen und Freunde in sozialen Medien verfolgen. Ganz wahnsinnig wichtige Dinge.

Zunehmend verliert der Mensch die Wahrnehmung auf die Realität und entfremdet sich noch mehr von seiner Natur. Aussen und innen korrespondieren längst nicht mehr. Wahrheit wird mit Erwartung verwechselt und Wissen mit Erfahrung. Und so schleppt er sich mit all den "Must haves" durch sein Leben, mit täglich einer App mehr, täglich einem Übergriff mehr...

Und alles saugt an den Ressourcen. Die Auswirkungen sind längst seh- und spürbar. Nur was solls, wir können ja doch nichts tun. Sollte ihn, den Menschen, tatsächlich nichts erreichen tief drinnen, so wird er weiterhin resigniert in seinem Kokon horten und irgendwann daran ersticken.

Und es werden nicht philosophische oder wissenschaftliche Abhandlungen sein, die ihn erreichen. Auch diejenigen, die ihm diese populär aufzutischen versuchen, werden ihn nicht erreichen. Sonst würde längst eine andere Geschichte geschrieben.

Nur Handeln und intellektuelle Grundgerüste reichen nicht aus. Wir brauchen andere Fähigkeiten, gemeinsame Fähigkeiten. Wir brauchen andere Wahrnehmungsformen von Wirklichkeit. Mehr Innerlichkeit, natürlichere Verbindungen, bewusstere Sinneswahrnehmung, Besinnung auf Einfachheit, auf Nützliches...

Allen voran brauchen wir die gemeinsame Fähigkeit des Verzichtens. Wir haben einen Standard, den wir nicht mehr verlassen möchten. Nur, dieser Standard hat Schattenseiten. Ressourcenklau, ökologische Zerstörung, Klimawandel..., um nur einige zu nennen. Er geht nicht nur auf Kosten anderer, er engt uns selbst ein. Er schnürt uns in ein Korsett von Verordnungen und verhindert natürliche Verbindungen.

In der Entfremdung von der Natur und sogar vom Menschsein selbst liegen die Ursprünge unserer Katastrophen. Dort, wo sich die Menschen nicht als Teil eines Ganzen, als Teil der Natur sehen und spüren, werden sie immer in einer egoistischen Überheblichkeit des "Macht euch die Erde untertan" verharren. Und darin wird auch jegliche Massnahme in der Symptombekämpfung stecken bleiben.

(© Monika Minder)

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